Motion Sickness



Das Fahrwerk

Es rattert

Zittert Knattert

knattert ... tert ... tert ... tert. ist zwar etwas unangenehm, doch irgendwie notwendig. denn will mensch die gegenwart bezwingen oder aber einen richtungswechsel bewirken oder eben geradeaus in das morgen, dann ist der weg sehr selten reibungsfrei. nur selten glatt wie die haut eines glitschigen fisches, nur selten gut beleuchtet wie die nächtlichen gehwege. will mensch sich weiterentwickeln, so muss er frei sein von bewegungskrankheiten jeglicher art. und ist er’s nicht, so muss er’s aushalten.

Schleift
Greift zwischendurch Reift daran

Es rast vorbei
Und kriecht sogleich
Über nur Millimeter hohen Kiesel

kaum vernehmbare scharfe kanten reichen aus, kaum erahnbare spitze stein-enden reichen aus, um zu spüren, dass es manchmal weh tun kann oder zumindest unangenehm ist für eine kurze strecke. was genügt, um ins straucheln zu kommen, ins stolpern, ins stundenlang-verharren? und was braucht es, um weiterzufahren? navi an.

Fast nichts
Doch gegenwärtig Doch spürbar

Was wir nicht sehen Ist trotzdem da

es regt und bewegt und erregt menschens sinne, lässt sie tippen und klopfen und pochen und schlagen, setzt biochemische reaktionen hervor. was mensch nicht sieht, ist trotzdem nah an herz und synapsen. unscheinbare regungen, die veranlassen, sich zu rühren oder zu berühren, den arm, die hüfte, alle körperlichkeiten zu sinnlichkeiten werden zu lassen.

Das Jetzt
Es rattert

Zittert

Knattert

knattert ... tert ... tert ... tert. kaum auszuhalten, die dezente unruhe der eigenen muskeln, wie ein blitzezucken, einer nach dem anderen. von außen nach innen und innen nach außen, lateral und medial. kleine stromschläge, die das herz schneller pochen lassen. im jetzt erscheint alles noch rascher, noch tiefer, noch lauter, noch wilder. das jetzt ist grausam ehrlich und mensch bezwingt es trotz übelkeit.

Lässt seine Reifen Schleifen
Staub aufwirbeln Staub, der lebt

Er fliegt
Er wiegt mehr als nichts Trübt die Sicht

augen zusammenkneifen, konzentration im unbehaglichen schaukeln und dunkel des staubes, der mensch die sicht raubt, stiehlt, verwehrt. und durch diese trübheit kämpft mensch sich durch, die lunge atmet körner, reibung außen, reibung innen. mensch entdeckt das leben im wüstensand, er ist nicht tot, auch wenn’s den anschein hat. sein, so viel sein.

Nichts ist offensichtlich Was ist wichtiger
Als Leben

Was wir nicht sehen Ist trotzdem da

wenn der sand sich zu boden bettet, ruhe einkehrt, kehrt die sicht zurück. die ungewohnten bewegungen legen sich. mensch setzt sich hin, gibt sich der leere hin. der stille, dem nichts. nichts zu sehen und doch alles da, was notwendig ist. mensch spürt’s. das reicht. ist vollkommen genug.

Die Dunkelheit Sie rattert

Zittert Knattert

und alles geht von vorne los. leben ist wiederholung und trotzdem ungewohnt.


Sarah Meraner